Semaglutid, Tirzepatid und Retatrutid sind drei synthetische Peptide, die in der Stoffwechsel- und Inkretinforschung gemeinsam auftauchen. Sie werden oft als eine Kategorie zusammengefasst, unterscheiden sich aber in einem entscheidenden Punkt: in der Zahl der Rezeptorsysteme, auf die jedes wirkt. Diese eine Unterscheidung — einfacher, dualer oder dreifacher Agonismus — ist die klarste Art, sie auseinanderzuhalten.
Dieser Artikel fasst zusammen, wie die drei Verbindungen in der peer-reviewten Laborliteratur auf der Ebene der Rezeptorpharmakologie beschrieben werden — zur Orientierung innerhalb der Forschungsgemeinschaft. Er beschreibt keine Anwendung am Menschen, keine Dosierung und keine therapeutischen Wirkungen, und nichts hier sollte als Anleitung für die Anwendung am Menschen verstanden werden.
- Semaglutid ist ein einfacher Agonist: Es wirkt auf den GLP-1-Rezeptor.
- Tirzepatid ist ein dualer Agonist: Es wirkt auf den GIP- und den GLP-1-Rezeptor.
- Retatrutid ist ein dreifacher Agonist: Es wirkt auf den GLP-1-, GIP- und Glukagonrezeptor und ist das neueste und am wenigsten untersuchte der drei.
- Alle drei werden ausschließlich für die Laborforschung geliefert, sind nicht für die Anwendung am Menschen oder Tier zugelassen und sind keine Arzneimittel.
Die beteiligten Rezeptoren
Diese Peptide werden für ihre Wirkung auf die Inkretin-Rezeptorsignalisierung untersucht — die Wege, über die der Körper auf die Nährstoffaufnahme reagiert. Drei Rezeptoren sind relevant. GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1) und GIP (glukoseabhängiges insulinotropes Polypeptid) sind Inkretinrezeptoren, die im Zusammenhang mit glukoseabhängiger Insulinsekretion und Magenmotilität untersucht werden. Der Glukagonrezeptor wird im Zusammenhang mit dem Energiestoffwechsel untersucht. Jede Verbindung unten ist dadurch definiert, welche dieser Rezeptoren sie aktiviert.
Semaglutid — einfacher Agonist (GLP-1)
Semaglutid ist ein GLP-1-Rezeptoragonist: In der Literatur ist es die Referenzverbindung zur Untersuchung der GLP-1-Rezeptorsignalisierung. Es wirkt auf ein Rezeptorsystem, und da es das etablierteste der drei ist, steht ihm der größte Bestand an publizierter Forschung zur Seite. Dies sind mechanistische und Laborbeobachtungen, keine nachgewiesenen Ergebnisse beim Menschen.
Tirzepatid — dualer Agonist (GIP/GLP-1)
Tirzepatid wirkt auf zwei Rezeptoren gleichzeitig — GIP und GLP-1 —, weshalb die Literatur oft von Dual-Agonist- oder „Twincretin“-Forschung spricht. Das Forschungsinteresse an Tirzepatid konzentriert sich darauf, was das gleichzeitige Ansprechen zweier Inkretinrezeptoren im Vergleich zu einem Einzelrezeptor-Agonisten bewirkt. Wie bei Semaglutid ist die publizierte Arbeit mechanistischer und Labornatur.
Retatrutid — dreifacher Agonist (GLP-1/GIP/Glukagon)
Retatrutid fügt ein drittes Ziel hinzu: Neben GLP-1 und GIP wirkt es auf den Glukagonrezeptor. Es wird als dreifacher Agonist untersucht und ist die neueste der drei Verbindungen — sein Bestand an publizierter Forschung ist daher der kleinste und am wenigsten ausgereift. Die zusätzliche Glukagonrezeptor-Aktivität ist das Merkmal, das es in der Literatur auszeichnet.


